Methodik: Wie Elektrofischen funktioniert
Beim Elektrofischen wird zwischen zwei Elektroden im Wasser ein elektrisches Gleichspannungsfeld aufgebaut. Die Anode — am Ende einer isolierten Polstange — wird vom Anodenführer durch das Gewässer geführt, die Kathode als Schleppelektrode bleibt im Wasser zurück. Im Wirkungsbereich der Anode (je nach Leitfähigkeit des Wassers rund 1 bis 4 Meter) reagieren die Fische auf das Spannungsgefälle.
Im Feld zeigen die Fische die sogenannte Galvanotaxis: Sie schwimmen unwillkürlich Richtung Anode. Dort werden sie kurz betäubt, mit dem Kescher gehoben, beurteilt, vermessen — und unmittelbar danach entweder am Fangort wieder freigelassen oder in sauerstoffreichen Hälterbehältern in einen sicheren Gewässerabschnitt umgesetzt. Richtig angewendet erholen sich die Tiere innerhalb weniger Sekunden vollständig und schwimmen ohne Schaden davon.
Genau das macht das Elektrofischen so wertvoll: Es ist die einzige Methode, mit der wir innerhalb kurzer Zeit einen repräsentativen Querschnitt eines Fischbestands erfassen können — ohne den Tieren bleibende Schäden zuzufügen und ohne wertvollen Laichfischen im Frühjahr Stress über Stunden zuzumuten.
Elektrofischen im Revier — Originalaufnahme aus dem Bezirk Rohrbach.
Die vier Haupteinsatzgebiete im Revier
- Notabfischungen bei akuter Gefahr — wenn ein Bachabschnitt trockenfällt, ein Restwasserstrecke kollabiert oder Gülle eingetragen wurde, müssen die Fische in Stunden gerettet werden, nicht in Tagen.
- Baustellenabfischungen vor wasserbaulichen Eingriffen — bevor ein Werkskanal trockengelegt, ein Wehr saniert oder eine Brücke neu errichtet wird, holen wir die Fische heraus und setzen sie oberhalb oder unterhalb der Baustelle wieder ein.
- Bestandserhebungen für Bewirtschaftungspläne — wer nicht weiß, wie viele Bachforellen, Äschen oder Koppen sich im Gewässer befinden, kann auch nicht sinnvoll besetzen. Das Elektrofischen liefert die fachliche Grundlage für jeden Besatz.
- Laichfischfang für die regionale Nachzucht — adulte Bachforellen aus heimischen Beständen werden vor der Laichzeit kurz entnommen, abgestreift und sofort wieder freigelassen. So bewahren wir die genetische Eigenart unserer Mühlviertler Stämme.


Behördlicher Rahmen: Nichtuntersagung
Das Elektrofischen ist nach dem Oö. Fischereigesetz 2020 grundsätzlich verboten — und nur unter strengen Voraussetzungen erlaubt. Wer im Bezirk Rohrbach mit Strom fischen will, muss eine entsprechende Anzeige bei der zuständigen Behörde (Amt der Oö. Landesregierung, Abteilung Land- und Forstwirtschaft) einbringen.
In Oberösterreich greift dabei das System der Nichtuntersagung: Die geplante Maßnahme wird mit Ort, Zeitraum, Methodik, eingesetztem Gerät und verantwortlichem Elektrofischer schriftlich angezeigt. Untersagt die Behörde die Maßnahme nicht innerhalb der gesetzlichen Frist, gilt sie als zulässig. Die Bearbeitung dauert in der Regel rund eine Woche.
Voraussetzungen für die Nichtuntersagung:
› gültige Ausbildung als Elektrofischer (Kurs am Bundesamt für Wasserwirtschaft, BAW Scharfling)
› geprüftes und behördlich zugelassenes Elektrofischfanggerät (ÖVE-E 36 / IEC 60335-2-86)
› fischereirechtliche Zustimmung des Bewirtschafters
› Begleitung durch mindestens eine zweite, eingewiesene Person
Das Gerät: FEG 1500 — kompakt, präzise, geprüft
Im Bezirk Rohrbach setzen wir tragbare Rückentraggeräte vom Typ FEG 1500 der Firma Grassl/EFKO ein. Das Gerät vereint einen luftgekühlten Honda-Viertaktmotor mit einem permanenterregten Mehrphasengenerator — kompakt genug, um zu zweit auch entlegene Bachabschnitte zu erreichen, und stark genug, um in den schwach leitenden Mühlviertler Gewässern ein wirksames Fangfeld aufzubauen.
Technische Daten — FEG 1500
Tragbares Elektrofischfanggerät · Hersteller: Grassl / EFKOIn den klaren, schwach leitenden Granitgewässern des Mühlviertels reicht die Spannungsstufe (150 – 300 V) in den allermeisten Fällen aus. Höhere Spannungen erhöhen die Mortalität — vor allem bei großen Laichfischen — und werden bei uns deshalb gezielt vermieden. Weniger Spannung bedeutet schonenderes Fischen.