Klimawandel —
unsere Gewässer kämpfen ums Überleben

Fast zwei Grad wärmer in 40 Jahren. Die Flüsse des Bezirks Rohrbach spüren die Klimakrise hautnah — und mit ihnen die Bachforelle, die Äsche und viele andere Fischarten.

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Studie des Landes OÖ (2024): Gewässer im Bezirk Rohrbach seit 1984 um durchschnittlich 1,93 °C wärmer Hitzestress, sinkende Sauerstoffwerte und das Risiko des Artenverlusts sind keine abstrakte Zukunft — sie sind längst Realität.
+1,93 °C Erwärmung seit 1984
23,9 °C Wassertemp. Teufelmühle, Juli 2023
5 Messstellen im Bezirk Rohrbach
22–24 °C Hitzegrenze für Bachforelle & Äsche

Die Klimakrise trifft den Böhmerwald

Die Erwärmung unserer Gewässer ist kein einzelnes Problem — sie löst eine Kettenreaktion aus, die das gesamte Ökosystem unter Druck setzt.

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Steigende Wassertemperaturen

Die Wassertemperatur ist einer der wichtigsten Lebensraumparameter für Fische. Kaltwasserarten wie Bachforelle und Äsche tolerieren dauerhaft keine Temperaturen über 20 Grad. An der Großen Mühl wurden bereits 23,9 °C gemessen — für die Äsche ist dies Leben am Limit - oder der Tod.

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Niedrigwasser & Trockenperioden

Längere Trockenperioden im Sommer führen zu niedrigem Wasserstand, höheren Fischdichten auf engstem Raum und damit zu Stress und Krankheitsausbrüchen, die sonst nur in Aquakulturen auftreten. Laichplätze trocknen aus. Ganze Jahrgänge fallen weg.

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Krankheiten auf dem Vormarsch

Wärmeres Wasser begünstigt Ausbrüche der Proliferativen Nierenkrankheit (PKD), die forellenartige Fische schwer trifft. Parasiten und Krankheitserreger, die früher durch kühle Temperaturen in Schach gehalten wurden, haben nun freie Bahn.

Extremereignisse

Der Klimawandel bringt nicht nur Hitze, sondern auch häufigere Hochwässer im Winter. Laichplätze werden zerstört, Jungfische weggeschwemmt, Habitate unbrauchbar. Gleichzeitig schwemmen Starkregen vermehrt Schadstoffe und Sediment in die Gewässer.

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Fehlende Beschattung & Versiegelung

Obmann Thomas Koller benennt es direkt: Fehlende Uferbeschattung, Bodenversiegelung und die Klimaerwärmung verstärken sich gegenseitig. Wo kein Baumschatten kühlt, heizt die Sonne das Wasser zusätzlich auf.

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Verschiebung der Fischregionen

Kälteliebende Arten weichen in kühlere Oberläufe aus — ihr Lebensraum schrumpft. Wärmeliebende Fische wie Waller und karpfenartige Fische profitieren und breiten sich aus. Was wie ein natürlicher Ausgleich klingt, bedeutet für das Mühlviertel den Verlust seiner charakteristischen Fischfauna.

Was fehlende Beschattung im Detail bedeutet

Eine bewachsene Uferlinie hält das Wasser kühl, stabilisiert das Ufer und schützt vor direkter Sonneneinstrahlung. Wo diese natürliche Beschattung fehlt, kippt das gesamte System.

Infografik: Vorher-Nachher-Vergleich zwischen beschattetem und unbeschattetem Bach mit Wassertemperaturen 12–16 °C versus 20–24 °C

Ufergehölze sind keine Zier — sie sind Klimaanlage und Lebensraum zugleich.

Große Mühl - Naturjuwel im Böhmerwald
Große Mühl — Herzader des Bezirks

Ein Naturjuwel unter Druck

Von Klaffer bis Kirchberg zieht sich die Große Mühl als Lebensader durch den Bezirk. Sie ist Natura 2000-Europaschutzgebiet, Paradies für Fliegenfischer, Badeplatz für Familien — und eines der am stärksten vom Klimawandel betroffenen Gewässer des Mühlviertels.

Seit mehr als zehn Jahren läuft ein jährliches Fischbestandsmonitoring in drei Untersuchungsstrecken von Ulrichsberg bis Aigen. Die Daten sind ernüchternd: Der Äschenbestand liegt unter den Werten der 1980er Jahre. Zwar zeigt sich in den letzten Jahren ein leichter Aufwärtstrend — doch der ist leidenschaftlich vom Revier aufgebaut und nicht selbstverständlich.

„Die Salmoniden haben es nicht leicht, da sie sauerstoffangereichertes kaltes Wasser benötigen. In der Teufelmühle wurden am 19. Juli 23,9 Grad Wassertemperatur gemessen — das war stark am Limit. Man muss sich das vorstellen, wie wenn man wochenlang in einer Sauna überleben müsste."

— Thomas Koller, Obmann Fischereirevier Rohrbach

Gewässerökologe Christoph Hauer von der BOKU Wien, selbst aus Aigen-Schlägl, begleitet das Revier wissenschaftlich. Sein Ziel: den ökonomischen und ökologischen Wert der Großen Mühl für kommende Generationen sichern — auch als Tourismusmagnet für internationale Fliegenfischer.

Erwärmung an den Messstellen im Bezirk Rohrbach

Durchschnittliche Temperaturzunahme 1984–2023 (Studie Land OÖ)

Große Mühl +1,9° Erwärmung in 40 Jahren
Kleine Mühl +2,0° Erwärmung in 40 Jahren
Ranna +1,8° Erwärmung in 40 Jahren
Steinerne Mühl +2,1° Erwärmung in 40 Jahren
Ø Bezirk +1,93° Durchschnitt 5 Messstellen

Quelle: Land Oberösterreich / Hydro OÖ, 2024.

Die Folgen — sichtbar an unseren Fischen

Es ist nicht abstrakt. Es passiert in unseren Bächen, im Sommer, jedes Jahr deutlicher. Die Reihenfolge ist immer dieselbe: weniger Wasser, weniger Sauerstoff, weniger Leben.

Infografik Vorher-Nachher: Auswirkungen des Klimawandels auf Bachforelle und Äsche – ausreichend Wasser versus Niedrigwasser, Beschattung versus Erwärmung, klares Wasser versus Sauerstoffmangel

Drei Vergleiche, eine Botschaft: Unsere Bäche brauchen Schutz — jetzt.

Wer verliert, wer gewinnt?

Die Klimaerwärmung sortiert unsere Fischfauna neu — und das Mühlviertel gehört zu den Regionen, die dabei am meisten zu verlieren haben.

Bachforelle im Bach
⚠ Stark gefährdet

Bachforelle

Die Leitfischart der Mühlviertler Bäche steht unter massivem Klimadruck. Laichplätze werden durch Trockenperioden und Hochwässer zerstört. Gleichzeitig ist sie unverzichtbarer Wirt für die vom Aussterben bedrohte Flussperlmuschel — fällt die Forelle weg, verschwindet auch die Muschel.

Äsche unter Wasser
⚠ Stark gefährdet

Äsche

Einst Leitfisch der gesamten Großen Mühl — heute stark gefährdet. Die Äsche braucht kühles, sauerstoffreiches Wasser und reagiert äußerst sensibel auf Temperaturschwankungen. Das Monitoring zeigt: Sie ist noch da, aber auf schmalem Grat.

Koppe / Mühlkoppe auf Kiesgrund
● Gefährdet

Koppe (Mühlkoppe)

Die kleine, scheue Bodenbewohnerin gehört zu den charakteristischsten Begleitfischen unserer Bachforelle — in den kühlen, kiesreichen Oberläufen der Ranna, der Großen, Kleinen und Steinernen Mühl und ihrer Zubringer hat sie ihr Zuhause. Sie wandert nicht, sie kann nicht ausweichen: Steigt die Wassertemperatur, sinkt der Sauerstoff, versandet das Kieslückensystem, dann bleibt der Koppe kein Plan B. Als Natura-2000-Indikatorart zeigt sie wie kaum ein anderer Fisch, wie es um den ökologischen Zustand unserer Bäche im Bezirk Rohrbach wirklich steht.

Flussperlmuscheln am Bachgrund
⚠ Vom Aussterben bedroht

Flussperlmuschel

Die Flussperlmuschel überlebt nur mit der Bachforelle als Wirt. Die Muscheln verbringen neun Monate in den Kiemen der Forellen. Sinkt die Forellenpopulation durch Klimadruck, verliert auch die Muschel ihren letzten Lebensraum. Seit 2016 läuft ein Nachzuchtprojekt an der Großen Mühl.

Wels (Waller) im Gewässer
↑ Zunehmend

Waller (Wels)

Wärmeliebende Großfische wie der Waller profitieren von steigenden Wassertemperaturen. Er breitet sich flussaufwärts aus und drängt kälteliebende Arten in immer engere Rückzugsräume. An der Donau bereits deutlich häufiger als noch vor zwanzig Jahren.

Aitel - karpfenartiger Fisch
↑ Zunehmend

Karpfenartige (z. B. Aitel)

Wärmetolerante Arten wie Aitel, Rotauge oder Schleie kommen mit den veränderten Bedingungen gut zurecht. Ihre Zunahme ist ökologisch kein Gewinn, wenn sie auf Kosten des einzigartigen Salmoniden-Charakters unserer Bäche geht.

Mein Ziel: die Große Mühl so zu hinterlassen, wie ich sie als kleiner Bub vorfand.

Diese Worte von Obmann Thomas Koller sind kein nostalgischer Wunsch — sie sind ein Auftrag. Wer die Flüsse des Böhmerwalds liebt, muss heute handeln.

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