Fast zwei Grad wärmer in 40 Jahren. Die Flüsse des Bezirks Rohrbach spüren die Klimakrise hautnah — und mit ihnen die Bachforelle, die Äsche und viele andere Fischarten.
Die Erwärmung unserer Gewässer ist kein einzelnes Problem — sie löst eine Kettenreaktion aus, die das gesamte Ökosystem unter Druck setzt.
Die Wassertemperatur ist einer der wichtigsten Lebensraumparameter für Fische. Kaltwasserarten wie Bachforelle und Äsche tolerieren dauerhaft keine Temperaturen über 20 Grad. An der Großen Mühl wurden bereits 23,9 °C gemessen — für die Äsche ist dies Leben am Limit - oder der Tod.
Längere Trockenperioden im Sommer führen zu niedrigem Wasserstand, höheren Fischdichten auf engstem Raum und damit zu Stress und Krankheitsausbrüchen, die sonst nur in Aquakulturen auftreten. Laichplätze trocknen aus. Ganze Jahrgänge fallen weg.
Wärmeres Wasser begünstigt Ausbrüche der Proliferativen Nierenkrankheit (PKD), die forellenartige Fische schwer trifft. Parasiten und Krankheitserreger, die früher durch kühle Temperaturen in Schach gehalten wurden, haben nun freie Bahn.
Der Klimawandel bringt nicht nur Hitze, sondern auch häufigere Hochwässer im Winter. Laichplätze werden zerstört, Jungfische weggeschwemmt, Habitate unbrauchbar. Gleichzeitig schwemmen Starkregen vermehrt Schadstoffe und Sediment in die Gewässer.
Obmann Thomas Koller benennt es direkt: Fehlende Uferbeschattung, Bodenversiegelung und die Klimaerwärmung verstärken sich gegenseitig. Wo kein Baumschatten kühlt, heizt die Sonne das Wasser zusätzlich auf.
Kälteliebende Arten weichen in kühlere Oberläufe aus — ihr Lebensraum schrumpft. Wärmeliebende Fische wie Waller und karpfenartige Fische profitieren und breiten sich aus. Was wie ein natürlicher Ausgleich klingt, bedeutet für das Mühlviertel den Verlust seiner charakteristischen Fischfauna.
Eine bewachsene Uferlinie hält das Wasser kühl, stabilisiert das Ufer und schützt vor direkter Sonneneinstrahlung. Wo diese natürliche Beschattung fehlt, kippt das gesamte System.
Ufergehölze sind keine Zier — sie sind Klimaanlage und Lebensraum zugleich.
Von Klaffer bis Kirchberg zieht sich die Große Mühl als Lebensader durch den Bezirk. Sie ist Natura 2000-Europaschutzgebiet, Paradies für Fliegenfischer, Badeplatz für Familien — und eines der am stärksten vom Klimawandel betroffenen Gewässer des Mühlviertels.
Seit mehr als zehn Jahren läuft ein jährliches Fischbestandsmonitoring in drei Untersuchungsstrecken von Ulrichsberg bis Aigen. Die Daten sind ernüchternd: Der Äschenbestand liegt unter den Werten der 1980er Jahre. Zwar zeigt sich in den letzten Jahren ein leichter Aufwärtstrend — doch der ist leidenschaftlich vom Revier aufgebaut und nicht selbstverständlich.
„Die Salmoniden haben es nicht leicht, da sie sauerstoffangereichertes kaltes Wasser benötigen. In der Teufelmühle wurden am 19. Juli 23,9 Grad Wassertemperatur gemessen — das war stark am Limit. Man muss sich das vorstellen, wie wenn man wochenlang in einer Sauna überleben müsste."
— Thomas Koller, Obmann Fischereirevier RohrbachGewässerökologe Christoph Hauer von der BOKU Wien, selbst aus Aigen-Schlägl, begleitet das Revier wissenschaftlich. Sein Ziel: den ökonomischen und ökologischen Wert der Großen Mühl für kommende Generationen sichern — auch als Tourismusmagnet für internationale Fliegenfischer.
Durchschnittliche Temperaturzunahme 1984–2023 (Studie Land OÖ)
Quelle: Land Oberösterreich / Hydro OÖ, 2024.
Es ist nicht abstrakt. Es passiert in unseren Bächen, im Sommer, jedes Jahr deutlicher. Die Reihenfolge ist immer dieselbe: weniger Wasser, weniger Sauerstoff, weniger Leben.
Drei Vergleiche, eine Botschaft: Unsere Bäche brauchen Schutz — jetzt.
Die Klimaerwärmung sortiert unsere Fischfauna neu — und das Mühlviertel gehört zu den Regionen, die dabei am meisten zu verlieren haben.
Die Leitfischart der Mühlviertler Bäche steht unter massivem Klimadruck. Laichplätze werden durch Trockenperioden und Hochwässer zerstört. Gleichzeitig ist sie unverzichtbarer Wirt für die vom Aussterben bedrohte Flussperlmuschel — fällt die Forelle weg, verschwindet auch die Muschel.
Einst Leitfisch der gesamten Großen Mühl — heute stark gefährdet. Die Äsche braucht kühles, sauerstoffreiches Wasser und reagiert äußerst sensibel auf Temperaturschwankungen. Das Monitoring zeigt: Sie ist noch da, aber auf schmalem Grat.
Die kleine, scheue Bodenbewohnerin gehört zu den charakteristischsten Begleitfischen unserer Bachforelle — in den kühlen, kiesreichen Oberläufen der Ranna, der Großen, Kleinen und Steinernen Mühl und ihrer Zubringer hat sie ihr Zuhause. Sie wandert nicht, sie kann nicht ausweichen: Steigt die Wassertemperatur, sinkt der Sauerstoff, versandet das Kieslückensystem, dann bleibt der Koppe kein Plan B. Als Natura-2000-Indikatorart zeigt sie wie kaum ein anderer Fisch, wie es um den ökologischen Zustand unserer Bäche im Bezirk Rohrbach wirklich steht.
Die Flussperlmuschel überlebt nur mit der Bachforelle als Wirt. Die Muscheln verbringen neun Monate in den Kiemen der Forellen. Sinkt die Forellenpopulation durch Klimadruck, verliert auch die Muschel ihren letzten Lebensraum. Seit 2016 läuft ein Nachzuchtprojekt an der Großen Mühl.
Wärmeliebende Großfische wie der Waller profitieren von steigenden Wassertemperaturen. Er breitet sich flussaufwärts aus und drängt kälteliebende Arten in immer engere Rückzugsräume. An der Donau bereits deutlich häufiger als noch vor zwanzig Jahren.
Wärmetolerante Arten wie Aitel, Rotauge oder Schleie kommen mit den veränderten Bedingungen gut zurecht. Ihre Zunahme ist ökologisch kein Gewinn, wenn sie auf Kosten des einzigartigen Salmoniden-Charakters unserer Bäche geht.
Diese Worte von Obmann Thomas Koller sind kein nostalgischer Wunsch — sie sind ein Auftrag. Wer die Flüsse des Böhmerwalds liebt, muss heute handeln.